BOSCH Automotive Steering – das Werk soll sterben.

BOSCH Automotive Steering – das Werk soll sterben.

Die Bietigheimer Produktion soll nach Firmenbeschluss Ende 2021 eingestellt werden.

Völlig überraschend erhielten die Beschäftigten der BOSCH Automotive Steering am 16.Juni eine Mail von ihrem Standortleiter, mit einer Einladung zu einer Informationsveranstaltung. Auf die Frage des Betriebsrates, welche Inhalte vermittelt werden sollen gab es keine Antwort.

Heute – bei der Informationsveranstaltung – kam für die 335 Beschäftigten der Schlag ins Gesicht: Sowohl die Montage von Sensor- und Servoeinheiten für Elektrolenkungen als auch die Fertigung von Produkten für die Nachserienversorung für Elektrolenkungen und Ventile soll eingestellt und verlagert werden. Die Arbeitgeberseite begründet die Entscheidung mit einem erheblichen Kostendruck.

Aus Sicht der Betriebsräte, der IG Metall und der Arbeitnehmerbank im Aufsichtsrat sind die Inhalte der Informationsveranstaltung zu kurz gegriffen:

Der 2016 ausgehandelte Sozialtarifvertrag ist großteils nicht umgesetzt.

Die Corona-Krise wird als Alibi herangezogen, um anders als BOSCH-üblich zu agieren.

Der bei BOSCH üblicherweise vorgeschaltete Arbeitnehmerdialog wurde vom Arbeitgeber unvermittelt abgebrochen und damit die bisherige, sozialverträgliche Vorgehensweise völlig in Frage gestellt.

Der zuständige Aufsichtsrat wurde weder umfassend informiert, noch in Entscheidungsfindungen einbezogen.

Das Drama in Bietigheim ist nicht der einzige Tiefschlag; auch am Standort Schwäbisch Gmünd sollen Stellen abgebaut werden. Über 2.000 Stellen bis 2026 zur Debatte.

„BOSCH nutzt das Thema Corona, um Personalkosten zu senken. Bremen wird geschlossen. Berlin soll verkauft werden. Was bleibt von Automotive Steering? Der Kahlschlag greift um sich. Ist das wirklich das soziale Selbstverständnis von BOSCH?“, Vincenzo Basile, Betriebsratsvorsitzender am Standort Bietigheim.

„Nach monatelangen Ringen für eine Standort-Perspektive ist für mich nicht nachvollziehbar, warum jetzt die Gespräche abgebrochen werden.“, so Matthias Fuchs, Geschäftsführer der IG Metall Ludwigsburg-Waiblingen. „Transformation kann nicht bedeuten, dass die Beschäftigten auf der Strecke bleiben. Der Standort Bietigheim muss erhalten bleiben, mit einer Zukunft für die heutige Belegschaft. Wir werden standortübergreifend für die Zukunft jedes Beschäftigten kämpfen.“ Andreas Riehl, Leiter der IG Metall-Vertrauensleute unterstützt diese Position vehement:  „Die Belegschaften der Automotive Steering haben einen gemeinsamen Anspruch, eine solidarische Haltung: Wir werden um unsere Jobs und für unsere Zukunft laut.“

Alessandro Lieb, Betriebsratsvorsitzender des Standortes Schwäbisch Gmünd und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Robert Bosch Automotive Steering GmbH: „Ich bin schockiert über diese unternehmerische Entscheidung, die immense Auswirkungen auf die Existenz der Beschäftigten hat. Wenn Bosch, als vermeintlich sozialer Arbeitgeber, so mit der Transformation und den Beschäftigten umgeht, sehe ich schwarz für die Zuliefererbranche in Baden Württemberg.“

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